Dune §

Das Spice muss fliessen!

Manchmal sollte man vielleicht ein paar Wörter nicht übersetzen, besonders wenn es keine geeignete Übersetzung gibt und ganz besonders, wenn es um Kunst geht. Was in der Technik gilt, dass jemand, der es nur in Fremdsprachen formulieren kann, es nicht verstanden hat, gilt bei der Kunst nur noch eingeschränkt. Darum ist es mir lieber, dass das Spice fliesst und nicht das Gewürz. Denn Spice vom Planeten Dune ist kein Gewürz für die Küche. Es ist eher das, was man im Pfefferkuchen als Pfeffer bezeichnet: Etwas unbekanntes, dass man hinzu gibt um einen begehrten Effekt zu erreichen.

Herr Herbert reiht sich mit dem Dune Epos in die Reihe der Weltenschöpfer ein. Er war also jemand wie Tolkien, der eine Welt erfand und darin seine Geschichten laufen lies. Ausnahmsweise ist die deutsche Übersetzung ebenso wie die Umsetzung in zwei Hörbücher wirklich gelungen. Ebenfalls ausnahmsweise ist sogar die teilweise Untermalung einzelner Sequenzen der Hörbücher mit Musik extrem gut gelungen. Musik und Sprecher beflügeln die Atmosphäre.

Ein interessantes gestalterisches Merkmal der ersten beiden Dune Bücher ist der Umstand, dass die Handlung in Kommentaren vorweg genommen wird, wie bei Harry Potter. Aber obwohl im Gegensatz zu den Potter-Geschichten die Vorwegnahme verlässlich und klar geschieht, leidet die Spannung der Handlung nicht.

Witzig ist die Idee des Autors, am Ende der ersten beiden Bücher einige der offensichtlicheren Webfehler aufzulisten und deren Ursachen in der Fantasiewelt zu ergründen.

Inhalt

Diese Geschichte ist kein Märchen, denn sie geht nicht zu Ende. Es gibt 'nur' Etappen. Aufgebaut wie ein rundenbasiertes Rollenspiel geschehen Ereignisse, die sich räumlich und zeitlich zu Spitzen aufbauen. In der sicheren Gewissheit, dass, was immer passiert, nicht das Ende, sondern der Anfang neuer Entwicklungen ist.

Da Frank Herbert die Geschichte in sich selbst vorweg nimmt, darf ich in diesem Fall etwas verbindlicher werden. Ein junger Mann ist versehentlich das, was viele alte Frauen jahrhundertelang vergeblich zu züchten versuchten. Und wie bei vielen Ergebnissen fleissiger Forschung - speziell wenn es um Gentechnik geht - entwickeln sich die Ereignisse nicht so, wie die geistigen Mütter es erhofften.

Wäre da nicht der biochemische Test, den der junge Mann überlebt, könnte man auch glauben es sei die Geschichte der Entwicklung einer Dynastie aus der Asche einer dekadent gewordenen vorhergehenden. Man könnte auch annehmen, das der biochemische Test nur deshalb Einzug in die Geschichte gehalten hat, um junge Heranwachsende davon abzuhalten es dem Protagonisten gleich zu tun. Oder eben um zu verhindern, dass der Eindruck entsteht, dass der Widerstand als solcher ausreicht um ein Kaiserreich zu stürzen.

Aber natürlich ist das so. Darum ist dies keine politische sondern eine utopische Schrift. Sie ist nicht der Zukunft zugewandt, sondern entspringt der Vergangenheit.

- 21.03.2010 bis 01.09.2011 -

Abgehört