Ja zum Fortschritt? §

Buchpreisbindung als Mittel gegen den Fortschritt

Kultur ist das was niemand will

Sucht man in Google nach "Buch- und Literaturpolitik – Selektive Förderung" bekommt man einen Hit auf ein PDF Dokument. Ich habe mich durch diese langatmige, langweile Ausarbeitung durchgearbeitet und zu meinem Erstaunen festgestellt, dass

  1. Unternehmer ein unternehmerisches Risiko tragen
  2. Autoren von ihren Verlagen betrogen werden
  3. Erfolglose Buchhändler die ausschlaggebende Rolle für den Erfolg lokaler Autoren darstellen
  4. Erfolglose Autoren wichtige gesellschaftliche Kulturfaktoren sind

Ausserdem habe ich gelernt, dass Kulturförderung erfolgreiche Buchhändler nicht fördern soll weil die ja schon erfolgreich sind und dass im Grossen und Ganzen, wie üblich in unserer dekatdenten Region Europa, jeweils das Kunst ist, was niemanden interessiert.

Darüber hinaus sind sich die Literaturförderer aller Genre untereinander nicht einig was gefördert wird und die, die Förderung beanspruchen wollen, müssen sich durch einen bürokratischen Dschungel wühlen, der keine erkennbaren Kriterien aufstellt um förderwürdig zu sein.

Geschäftlich interessierte, erfolglose Autoren verbrauchen also die Zeit, in der sie schreiben sollten, mit dem Ausfüllen und Verfolgen von Fördergeldanträgen, der Pflege von Fristen und dem Einhalten von Abgabeterminen. Auf diese Weise wird das Kulturgut Buch gefördert. Kultur ist nämlich (zitierte Liste):

  • die Anzahl Verlagshäuser; Anzahl Katalogtitel;
  • die Anzahl, Grösse und Standorte der Buchhandlungen;
  • die Anzahl publizierter Bücher;
  • die Anzahl verkaufter Titel. Wo wurden sie verkauft?
  • den durch das Buch generierten Umsatz;
  • die Anzahl, Grösse, Standorte und Besucherzahl der öffentlichen Bibliotheken
  • die MWST 

Es liegt auch an der Anzahl von Buchhandlungen und Biblitheken, ob Funktionelle Analphabeten endlich zum Buch greifen oder nicht!

Mein Vorschlag: Die 'Wertshöpfungskette Buch' wird verstaatlicht, alle Beteiligten erhalten erfolgsunabhängig ihr Gehalt und ich erhalte einen Vorstandssitz in einem Verlag. Ich habe zwar keine Ahnung vom Verlagswesen aber wenn es erst einmal verstaatlicht ist, spielt das auch keine Rolle mehr. Denn was immer passiert und was es auch kostet - es ist doch die Kusnt, die da finanziert wird. Vielleicht sollte man Computer und das Internet gleich mit verbieten um den Buchdruck wieder auf Fordermann zu bringen?

Hilfe der Fortschritt kommt!

Vermutlich haben die Autoren dieses Dokumentes ihr Schriftstück selbst nicht nochmals gelesen oder sie leben fern jeder wirtschaftlichen Realität. Alles was keine genügende Wertschöpfung erbringen kann um zu überleben ist förderwürdig. Darum muss ständig Geld ausgegeben werden.

Ich unterstelle einfach einmal dass die Autoren dieses Berichtes in Wohnungen wohnen, Autos fahren und im grossen und Ganzen die Vorzüge des enormen wissenschaftlich-technischen Fortschrittes geniesen, der besonders in den letzten Jahren für eine Erhöhung der allgemeinen Lebenqualität geführt hat. Elektrischer Strom zum Beispiel, ja sogar Computer und das Internet, aber auch Waschmaschinen, Spülmaschinen und vieles mehr.

Aber wenn es um das Buch geht darf Fortschritt nicht sein. Es darf nicht sein, dass neue Wege künstlerischen Schaffen betreten werden, es darf nicht sein, dass das veraltete Verlagswesen, dass den Forstschritt einfach verschläft, den Weg allem Irdischen geht und natürlich müssen wirtschaftlich erfolglose Händler bezuschusst werden weil sie Buchhändler sind. Vom Melonenhändler steht nichts. Obwohl sein geschäftliches Risiko viel grösser ist als das des Buchhändlers. Der Melonenhändler hat es zu allen geschäftlichen Risiken, mit denen der Buchhändler zu tun hat, auch noch mit dem Risiken Zeit und Temperatur zu tun. Melonen verderben, Bücher nicht. Melonen kann man auch nicht gegen Rückzahlung des Kaufpreises an den Lieferanten zurück geben.

Nicht gefördert werden irgendwelche Formen von Fortschritt, das Geld, das fortschrittliche Akteure benötigen, wird den erfolglosen gegeben um ein totes Pferd weiter reiten zu lassen.

Die Förderung von Autoren soll qualitätsunabhängig nach der Qualität ihrer Werke erfolgen. Qualitätsunabhängig weil es keine objektiven Qualitätskriterien gibt und qualitätsbezogen weil nur die Besten gefördert werden sollen, die nämlich, deren Bücher so unverkäuflich sind, dass sie wirklich niemand haben will, selbst wenn ein Verlag mit Geld dazu überredet wurde deren Werk zu drucken.

Der Fortschritt, die Entwicklung neuer Medien auf dem Grab überkommener Geschäftsmodelle, wird nicht gefördert. Was klar ist, denn gefördert werden kann ja nur etwas, was von alten Menschen gekannt wird, nicht etwas, was junge Menschen erschaffen. Die Jungen müssen auf die Förderung ihrer Kunst warten bis sie alt sind.

Nicht zuletzt der Wirtschaftsfaktor

So heisst es (Zitat):

Die Buchbranche stellt in der Schweiz einen gewichtigen Wirtschaftssektor dar: in Arbeitsplätzen bedeutet dies, dass ungefähr 9'400 Personen im Verlagswesen, den Buchhandlungen und den Bibliotheken arbeiten.

Die Autoren dieses Berichtes betrachten also eine Branche, die nicht einmal 10'000 Personen beschäftigt, als "gewichtigen Wirtschaftsfaktor". Da bin ich aber beruhigt, denn das heisst ja dann wohl, dass ein Betrieb mit 7'000 Mitarbeitern unabhängig von seiner Fähigkeit Werte zu schöpfen wenigstens soweit förderwürdig ist, dass er auf staatliche Mittel zum Überleben zählen darf. Wunderbar, oder?

Nicht zu vergessen: Werbung (Promotion) ist wichtig, die Akteure müssen dafür aber Zuschüsse erhalten. Vermutlich kann man in der "Wertschöpfungskette Buch" mit Werbung nicht einmal die Kosten der Werbung einspielen. Das liegt vermutlich daran, dass Bücher Kunst sind.

Und Kunst, das haben wir in dem o.g. Bericht gelernt, ist nur das, was niemand kauft.

- 11.02.2012 bis 14.02.2012 -

Gedacht